Ein Ausflug in die Hauptstadt

Aufmerksame ECHO Leser werden sich an unseren Bericht von der Wiking Sternfahrt im Oktober 2017 erinnern, damals ist ja schon in Christines Kopf der Plan entstanden, den traditionsreichen RC Turbine in Grünau zu besuchen und mal auf der berühmten Regattastrecke zu rudern.  Sie lässt ihre Beziehungen spielen und tatsächlich kommen wir am frühen Abend des 8. Juni  dort an und sofort umweht uns ein Hauch von Geschichte, der uns auch nicht mehr loslässt.

Der RC Turbine ist der Nachfolger des ARV zu Berlin, der 1891 als studentische Vereinigung der Universität Berlin gegründet wurde. 1903 wurde der Bau des jetzt noch bestehenden ARV Hauses, in dem wir übernachten können, in Grünau eingeweiht. Nach Rückübereignung 1999 des Hauses an den ARC zu Berlin e.V. wurde  2003  das 100jährige Jubiläum gemeinsam mit dem RC Turbine gefeiert.

Uns kommen die vom ARC finanziell unterstützten umfangreichen Renovierungsarbeiten zugute, das Haus hat mittlerweile 40 Übernachtungsplätze in recht komfortablen Mehrbettzimmern und wird für Trainings- und Wanderfahrten genutzt.

 

Der Freundschaftsvertrag  zwischen dem ARC Spandau und dem RC Turbine personalisiert sich für uns durch Martina und Ralf, die uns ja schon im Oktober gastfreundlich aufgenommen haben und uns jetzt auf der Terrasse des Bootshauses, mit Blick auf die berühmte Regattastrecke und pompöse Villen am anderen Ufer, besuchen.

Doch vorher schlendern wir noch durch Grünau, bewundern alte Villen mit großzügigen Grundstücken und wundern uns über prachtvolle  Gebäude, die offenbar ungenutzt verfallen. Auch das ist Berlin.

Wir essen in einem griechischen Restaurant und werden von dem netten Kellner gut mit Ouzo bedacht. Der hat offensichtlich Spaß an den (wie er glaubt) 7 blonden Schwestern aus dem Norden. Aber mittlerweile ist es dunkel und in der Nacht sind bekanntlich alle Katzen grau.

Am Samstag geht es dann ins Boot: Wir passieren die Tribüne, die Hitler bei der Olympiade 1936 vorzeitig  verlassen hat, weil der US Achter den Deutschland Achter besiegen konnte (s. das absolut lesenswerte Buch: Das Wunder von Berlin von Daniel James Brown ). Dann  geht’s von der Dahme durch die Müggel Spree zum großen Müggelsee. Die Sonne brennt uns aufs Hirn, das Wasser ist ziemlich unruhig und die Berliner Gewässer sind an diesem wunderschönen Sommertag gefüllt mit Wasserfahrzeugen in allen Variationen. Die Mannschaft des „Rhein“ fühlt sich hin und her geworfen wie in einer Nussschale. Aber wir haben, obwohl wir unser ganzes ruderliches Können aufbieten um unfallfrei das Ziel zu erreichen, Gelegenheit, die Landschaft, die alten Seebäder, lauschige Badestellen am Ufer und Schrebergärten aus DDR Zeiten neben neuzeitlichen Wochenendhäusern zu begucken.

Wir erreichen über die Müggel Spree den Goosener Kanal, der in den Seddin See mündet und finden in Schmöckwitz einen sehr gastfreundlichen RC, wo wir im Schatten unseren Flüssigkeitshaushalt wieder auffüllen können, während wir auch dort Bilder und die Anlage aus alter Zeit anschauen.

Dann geht’s zur letzten Etappe des Tages: Wir schlängeln uns durch hunderte Segelboote, die eine 100 Jahre Jubiläums Regatta fahren bis zum Langen See und rudern die letzten 2 km auf der Regattastrecke und erreichen konkurrenzlos, allerdings auch ohne begleitenden Applaus unser Endziel. Zum Glück ist das Gewässer am Steg zum Baden freigegeben.

Da der Pizzaservice um die Ecke ist und wir im Bootshaus Getränke bekommen können, machen wir es uns  auf der Terrasse gemütlich und stillen ohne weitere große Anstrengung Hunger und Durst.

Am Sonntag bekommen wir als Belohnung (immerhin haben wir  dem kippeligen „Rhein“ standgehalten) die „Spree“ ,die wohl das beste Boot des Vereins ist. Offenbar hat man gesehen, dass wir schon rudern können ... die Mannschaft des anderen Bootes „Dubrow“ war recht zufrieden.

Wir genießen noch mal die Regattastrecke in die andere Richtung und in dem Boot, was jetzt sehr gut läuft und biegen vor der Wernsdorfer Schleuse in den Oder Spree Kanal. Hier ist es idyllisch und ruhig. Allerdings kommt eine gewittrige Schwüle und drohende dunkle Wolken auf, so dass wir unsere Pause beim Anglertreff kurz halten, wir müssen ja auch noch nach Hause!!

 

Trotz Donnergrollen bleibt das angekündigte Unwetter aus, (offenbar wissen das die Berliner schon, denn jetzt sind sie wach und wieder auf dem Wasser ... )wir kommen verschwitzt und glücklich am Steg an, springen noch mal kurz in den Fluss  und unter die Dusche und starten Richtung Heimat, wo wir erfüllt von dem Erlebten, gut und ohne Stau ankommen.

Danke an den RC Turbine für die Gastfreundschaft und an Christine für Organisation und Planung.

Viola Wagner für Carola, Maren, Susanne, Ute und Ute